Die Nacht des Biter

Die Nacht des Biter

 

Es war eine jener Nächte, die sehr dunkel waren, in denen man keinen Laut eines Vogels hörte und in der dieses unheimliche Gefühl war. Ich lag in meinem Bett, fiebernd, getrieben von Sehnsucht. Hätte mich jemand gefragt, wonach, ich hätte nichts anworten können. Ich wälzte mich hin und her, bis ich mich entlich dazu entschloss, aufzustehen.

Der übliche Kaffe. Wie ich ihn liebe! Nichts geht über einen Kaffe wenn der Kopf noch trunken ist vom Schlaf. Ich wanderte wie gewohnt zu meinem Schreibtisch. Hier, wo ich unzählige Stunden schon verbracht habe, schreibend, brütend, über den Dingen des Lebens.

Ich schaltete ihn ein. Ja, mein Begleiter, meinen heimlichen Freund. Kalt, aus Elektronik, doch wer vermag zu sagen, dass nicht doch ein Herz in ihm schlüge? Ein Mega-Herz? Ein Intel-Cuore? Die 7 Fenster öffneten sich und mit einem erquickenden „Welcome“ begrüsste er mich.

„Na, mein Kleiner?“ fragte ich ihn liebevoll und strich sanft über sein edles Gehäuse. Schlank, schwarz und glänzend in dieser mondlosen Nacht neckte er mich mit seinen Kurven. Als Antwort ein zufriedenes Brummen. Alles war in Ordnung.

Zuerst schaute ich in meinen Blog. Blog! Wer hatte heute nicht solch ein neumodisches Ding. Lange hab ich mich gewehrt, als diese Elektronik-Freunde aufkamen. Ich sagte immer: Meine alte, liebe, treue Schreibmaschine tut es auch. Dann, irgendwann, musste ich erkennen, dass es mich doch nach neuen Verdrahtungen gelüstete.

Ein neuer Kommentar im Gästebuch. Immerhin. Es gibt Tage, da kommt gar nix. Es ist schön, gemeinsam die digitalen Freuden zu geniessen, aber ich sinne auch gerne für mich alleine über dessen Vergnügungen nach.

Dann weiter in meinen Kreis der spirituellen Freunde, einem Forum. Wie so oft war es ganz still in unserem Versammlungsraum.

Die Nacht rückte weiter vorwärts, wärend ich Stunde um Stunde mal ziellos, mal suchend durch die Weiten der elektronischen Welt wanderte. Ab und zu in der Ferne das Murmeln von lebenden Zeitgenossen, das Geräusch eines Wagens oder irgendein Klappern, dann versank ich wieder im Web.

Ich merkte nicht, wie diese Gestalt sich näherschlich, über die ich, hätte mir jemand davon erzählt, nur ungläubig den Kopf geschüttelt und es als Unsinn abgetan hätte. Schritt um Schritt, Stunde um Stunde, schlich er sich näher, derweil ich naiv und sorglos umherstreifte und mir der Gefahren nicht bewusst war.

Ich spürte kaum, als er mir USB und GOOGLE in die Halsschlagader schlug. Nur ein seltsames Kratzen, bei dem ich einmal über den Hals strich, als sei es eine lästige Mücke. Ich ahnte nicht, wie tief sich seine Energiesauger in mein Fleisch gruben und mir heimlich allen Lebenssaft aussaugten. Und so schnell seine unwirkliche Gestalt aufgetaucht war, so schnell wurde es auch Morgen, als sei ich nur eine Sekunde dagesessen.

Die Sonne erschien schon am Horizont. Ich rieb mir müde die Augen, nichts ahnend, nun auch zu jenen zu gehören, die Nachts hungrig durchs Netz streifen, auf der Suche nach neuen Inputs. Gähnend schlüpfte ich ins Bett, schloss meine Augen und fiel in einen tiefen, traumlosen Schlaf.

 

Barbara

 

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